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Transatlantic Round Table zur Gulag-Fotografie

 
Teilnehmer des 18. Transatlantic Round Table (v.l.): Marcus Woellner (WELT), Hans-Werner Marquardt (B.Z.), Dr. Erik Lindner (Axel Springer Stiftung), Fellow Aglaya Glebova, Andrea Seibel (WELT), Fritz Esser (BILD), Laura Aha (Axel Springer Akademie) und Sophie Maaß (American Academy) (Foto: Axel Springer SE)
Teilnehmer des 18. Transatlantic Round Table (v.l.): Marcus Woellner (WELT), Hans-Werner Marquardt (B.Z.), Dr. Erik Lindner (Axel Springer Stiftung), Fellow Aglaya Glebova, Andrea Seibel (WELT), Fritz Esser (BILD), Laura Aha (Axel Springer Akademie) und Sophie Maaß (American Academy) (Foto: Axel Springer SE)

„Bewegen Sie sich noch auf dem Feld der Kunstforschung?“ Die Frage von Fritz Esser, stellvertretende Ressortleiter Politik und Wirtschaft von BILD, war etwas provokant, aber durchaus berechtigt. Beim 18. Axel Springer Transatlantic Round Table stellte die russisch-amerikanische Professorin und American Academy Fellow Aglaya Glebova ihre Forschung zur „Sowjetischen Avantgarde 1928–1932“ vor. Die Teilnehmer stellten aber schnell fest, dass dieses Kunst-Thema viel mehr mit Essers Ressort zu tun hatte, als es auf den ersten Blick schien.

Aglaya Glebova interessiert sich insbesondere für Alexander Rodtschenko, einen russischen Maler und Fotografen, der unter anderem durch seine Fotocollagen vom Bau des Stalin-Kanals international bekannt wurde. Der Kanal heißt heute Weißmeer-Ostsee-Kanal, reicht von St. Petersburg bis Archangelsk und wurde von den Insassen sowjetischer „Umerziehungsarbeitslager“ gebaut, dem berüchtigten „Gulag“. Für Glebova war es von Rodtschenko nur ein kleiner Schritt zur Forschung über Gulag-Fotografie im Allgemeinen. So moderierte Fellowship-Schirmherrin Andrea Seibel, Ressortleiterin Forum WELT, eine interessante Diskussion zu vielen politischen und menschlichen Aspekten des Gulag-Systems, in dem zeitweise bis zu vier Millionen Menschen inhaftiert waren und in dem viele ihr Leben verloren. Bitternis der Geschichte: Heute ist der Kanal für viele Schiffe zu flach und zu schmal, um ihn nutzen zu können.

Die American Academy in Berlin ist eine US-amerikanische Forschungs- und Kulturinstitution in Berlin. Sie dient dem Ziel des wissenschaftlichen und kulturellen Austauschs zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten. Hierfür bietet sie Stipendien in den Disziplinen Geisteswissenschaften, Kunst, Sozialwissenschaften sowie Politikwissenschaften an – den Berlin Prize. Die Stipendiaten arbeiten an ihren Projekten und halten öffentlich Vorträge, stellen ihre Kunst vor oder geben Konzerte. Ferner lädt die Akademie führende amerikanische Politiker, Experten auf unterschiedlichen Gebieten und Journalisten für Kurzbesuche nach Berlin ein, um einen kontinuierlichen und nachhaltigen Meinungsaustausch zwischen Deutschland und den USA zu fördern. Die Axel Springer SE zählt zu den Förderern der American Academy.