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Wie wird ein Nachhaltigkeitsbericht geprüft?

 
Die Erwartungen an ein modernes Nachhaltigkeits-Reporting nehmen kontinuierlich zu. Diese Grafik dokumentiert die wesentlichen Schritte der externen Prüfung eines Nachhaltigkeitsberichtes (Quelle: PwC).
Die Erwartungen an ein modernes Nachhaltigkeits-Reporting nehmen kontinuierlich zu. Diese Grafik dokumentiert die wesentlichen Schritte der externen Prüfung eines Nachhaltigkeitsberichtes (Quelle: PwC).

PricewaterhouseCoopers AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (PwC) hat wesentliche Indikatoren für die Berichtsjahre 2014 und 2015 einer Prüfung zur Erlangung einer begrenzten Sicherheit unterzogen. Die geprüften Angaben sind im Nachhaltigkeitsbericht mit diesem Zusatz gekennzeichnet:

Den Vermerk über die unabhängige betriebswirtschaftliche Prüfung des Nachhaltigkeitsberichts 2015 der Axel Springer SE finden Sie hier.

Prüfung des Nachhaltigkeitsberichts 2014/2015 der Axel Springer SE durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC)

Seit Ende der 1990er Jahre findet zusätzlich zur traditionellen Finanzberichterstattung und der Sozial- und Umweltberichterstattung mit der sogenannten Nachhaltigkeitsberichterstattung eine übergreifende Berichterstattung über ökonomische, ökologische und soziale/gesellschaftliche Aspekte weite Verbreitung. Die Nachhaltigkeitsberichterstattung richtet sich nicht nur an die Shareholder des Unternehmens sondern an einen sehr weit gefassten Adressatenkreis von Stakeholdern, zu denen beispielsweise die Mitarbeiter, Lieferanten, Kunden, aktuelle und potenzielle Kapitalgeber, die Öffentlichkeit, Nicht-Regierungsorganisationen und verschiedene Behörden und Institutionen gehören. Gemäß der Definition der Global Reporting Initiative (GRI) umfasst die Nachhaltigkeitsberichterstattung „die Ermittlung, die Veröffentlichung und die Rechenschaftslegung der unternehmerischen Leistung gegenüber internen und externen Stakeholdern im Hinblick auf die Ziele einer nachhaltigen Entwicklung. […] Ein Nachhaltigkeitsbericht soll eine ausgewogene und angemessene Darstellung der Nachhaltigkeitsleistung der berichtenden Organisation liefern und sowohl positive als auch negative Aspekte beinhalten“.

Damit Unternehmensleitung und Stakeholder zusätzliche Sicherheit darüber gewinnen, dass Nachhaltigkeitsberichte richtig, vollständig und angemessen über ökologische und soziale/gesellschaftliche Aspekte informieren, wird von Unternehmensseite zunehmend die externe Prüfungsbescheinigung im Rahmen einer Prüfung der Nachhaltigkeitsberichterstattung nachgefragt.

Prüfungsgegenstand und Prüfungsgrundlage

Gegenstand einer Prüfung sind zumeist konkret definierte wesentliche (quantitative) Angaben des Nachhaltigkeitsberichts. Eine umfassende und international weitgehend anerkannte Empfehlung für die Inhalte der Nachhaltigkeitsberichterstattung stellen die Leitlinien der GRI dar. Diese definieren ökonomische, ökologische und soziale Standardangaben sowie Angaben zur Strategie, Unternehmensprofil und Managementsystemen als Mindestinhalte eines Nachhaltigkeitsberichts. Konkret beinhalten die Standardangaben Indikatoren der Bereiche Ökonomie, Ökologie (z. B. Angaben zu Materialien, Emissionen, Energieverbrauch, Wasserverbrauch, Biodiversität und Abfall) und Soziales (z.B. Angaben zu menschenwürdigen Arbeitsverhältnissen, Einhaltung von Menschenrechten, Gesellschaftliches Engagement und Produktverantwortung).

Die zentralen Prinzipien für die Bestimmung des Berichtsinhalts sind Wesentlichkeit, Einbeziehung von Stakeholdern, Nachhaltigkeitskontext und Vollständigkeit. Ziel der Prinzipien ist die Festlegung des Inhalts von Nachhaltigkeitsberichten unter Berücksichtigung der Erwartungen und Anforderungen der relevanten Anspruchsgruppen.  Die zentralen Prinzipien für die Bestimmung der Berichtsqualität bestehen aus den Prinzipien der Ausgewogenheit, Vergleichbarkeit, Genauigkeit, Aktualität, Zuverlässigkeit und Klarheit.  Sie sollen eine transparente Nachhaltigkeitsberichterstattung gewährleisten und den Stakeholdern eine angemessene Beurteilung der Leistung ermöglichen.

Zur Verbesserung der Glaubwürdigkeit der Nachhaltigkeitsberichterstattung empfiehlt die GRI neben der Etablierung von geeigneten Managementsystemen und Berichtsprozessen die Bestätigung der Berichterstattung durch Sachverständige auf Grundlage der GRI-Prinzipien.

Prüfungsvorgehen

Die PwC-Vorgehensweise für die Prüfung eines Nachhaltigkeitsberichts folgt grundsätzlich den gleichen Standards wie die Prüfung anderer betriebswirtschaftlicher Daten sowie Prozesse und wird in Übereinstimmung mit einem internationalen Prüfungsstandard ("ISAE 3000 Revised") durchgeführt. Eine Besonderheit bei der Prüfung von Nachhaltigkeitsberichten ist allerdings, dass es in Deutschland bislang keine gesetzlichen Regelungen und Vorgaben gibt: Prüfungsgegenstand, Prüfungsumfang und Prüfungsstandard werden demzufolge individuell vereinbart und in der Prüfungsbescheinigung dargestellt. Nachfolgend ist das Prüfungsvorgehen bei der betriebswirtschaftlichen Prüfung des  Nachhaltigkeitsberichts 2015 der Axel Springer SE kurz dargestellt:

Vorprüfung

Zu Beginn einer Prüfung werden das Prüfungsvorgehen, die erforderlichen Unterlagen, Nachweise und Ansprechpartner sowie der Zeitplan gemeinsam mit dem Auftraggeber abgestimmt. Dies dient unter anderem als Basis für die Erarbeitung eines detaillierten Prüfprogramms durch den Prüfungsleiter. Die Vorprüfung selbst umfasst die Aufnahme der relevanten Systeme und Prozesse der Nachhaltigkeitsberichterstattung sowie eine Beurteilung der Angemessenheit entsprechend den vereinbarten Beurteilungskriterien (Prozess-Evaluierung).

Prüfung des Berichterstellungsprozesses

Im Anschluss überzeugt sich das Prüfungsteam von der Einhaltung der relevanten Reportingprozesse und Prozesskontrollen im Unternehmen, insbesondere der Prozesse zur Erhebung, Qualitätssicherung und Aggregation der Daten für die Nachhaltigkeitsberichterstattung (Prozess-Validierung). Dies kann – je nach Art und Komplexität der Prozesse – durch Prozessbeobachtung oder Nachvollzug einzelner Prozesse und Kontrollen erfolgen. Hierbei überzeugt sich der Prüfer einerseits durch sogenannte Vor-Ort-Prüfungen an der Datenquelle von der vollständigen und richtigen Erfassung der Daten. Andererseits wird über das im Rahmen der Vorprüfung erworbene Prozessverständnis sichergestellt, dass über die gesamte Prozesskette hinweg die wesentlichen Kontrollen bis zur Aggregation der Kennzahlen und die Bereitstellung für den Bericht in die Prüfung einbezogen werden können. Zulässig und im Sinne einer effizienten Prüfungsdurchführung auch gewünscht, ist die Verwendung von Prüfungsergebnissen Dritter, sofern diese den hohen Anforderungen von PwC an Prüfungsvorgehen und Prüfungssicherheit entsprechen.

Prüfung ausgewählter (quantitativer) Angabe

Die Prüfung von quantitativen Angaben im Nachhaltigkeitsbericht erfolgt ergänzend durch analytische Prüfungen – wie zum Beispiel die Bildung und Überprüfung von Erwartungswerten oder die Durchführung von Trend- und Abweichungsanalysen – sowie klassische Belegprüfungen. Dies betrifft vorwiegend diejenigen Kennzahlen, für die durch die Prozessprüfungen noch keine ausreichende Prüfungssicherheit erlangt wurde. Das kann auch einzelne Angaben betreffen, bei denen eine einzelfallbezogene Prüfung höhere Prüfungssicherheit oder höhere Effizienz verspricht. Prüfungsbegleitend erfolgt eine Durchsicht der Entwürfe des Nachhaltigkeitsberichts, um dessen inhaltliche, sprachliche und gestalterische Übereinstimmung mit den GRI-Berichtsprinzipien sowie die quantitativen Angaben im Berichtskontext zu beurteilen.

Dokumentation der Prüfung

Zum Abschluss der Prüfung werden die Prüfungsfeststellungen und eventuelle Empfehlungen zur weiteren Verbesserung der Systeme und Prozesse der Nachhaltigkeitsberichterstattung mit dem Auftraggeber besprochen und die Prüfungsbescheinigung wird ausgestellt. Der Prüferblick auf Systeme und Prozesse sowie die damit verbundenen Feststellungen und Empfehlungen, die in der Prüfbescheinigung festgehalten werden, sind oft Ansatzpunkte für die Optimierung des internen Nachhaltigkeitsmanagements.