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Einblicke und Ausblicke

 

Zwei Aspekte, die uns bei der Erstellung dieses Nachhaltigkeitsberichts besonders beschäftigt haben

1. Die Herleitung der wesentlichen Themen

Nachhaltigkeitsberichte sind neben den Geschäftsberichten wichtige Elemente der Informationspolitik eines Unternehmens. Der alle zwei Jahre von der Axel Springer SE veröffentlichte Nachhaltigkeitsbericht folgt den Leitlinien der Global Reporting Initiative (GRI), die sich von Zeit zu Zeit ändern. Die hier vorliegende Ausgabe wurde "in Übereinstimmung" mit den aktuellen G4-Vorgaben und der "Kern"-Option der Global Reporting Initiative (GRI) erstellt.

Zu den erweiterten G4-Anforderungen, die eine besondere Herausforderung darstellen können, zählt die plausible Herleitung der Berichtsinhalte von den möglichst konkret erforschten Anliegen der sogenannten Stakeholder. Der Begriff Stakeholder stammt aus dem Englischen und bezeichnet eine Person oder Gruppe, die ein berechtigtes Interesse am Verlauf oder Ergebnis eines Unternehmens hat oder haben könnte.

Was wird von unserem Unternehmen erwartet, was wird kritisiert? Welche Themen sind für User, für Leser, für Nicht-Leser, für Anzeigen- und Druckkunden, für Mitarbeiter, für Aktionäre oder für Umweltorganisationen, die sich mit unserem Unternehmen befassen, besonders interessant? Dazu werden die für das Unternehmen wesentlichen Stakeholder in Abständen mit Hilfe der Marktforschung befragt.

Weitere Erkenntnisse ergeben sich über die Arbeit der Leserbeiräte sowie dem regelmäßigen direkten Austausch u.a. mit Geschäftspartnern, mit Regierungsstellen, mit Universitäten und Nichtregierungsorganisationen. Beispiele für Interaktionsplattformen des kontinuierlichen Stakeholder-Dialogs werden in einer Tabelle zusammengefasst. 

Die Sicht des Unternehmens erläutert dazu Dr. Mathias Döpfner, der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer SE, in seinem Vorwort „Was wir sind und was wir wollen“. Die sich aus den genannten Quellen ergebenden Stakeholder-Anliegen werden dann zu einer Wesentlichkeitsliste verdichtet. Für die Axel Springer SE ergibt das folgende fünf Punkte:

  • Journalistische Unabhängigkeit,
  • Produktverantwortung und Kundenzufriedenheit,
  • Mitarbeiter-Identifikation und Arbeitgeber-Attraktivität,
  • Einhaltung hoher Standards (Corporate Governance, Compliance sozialer und ökologischer Standards) und
  • Profitabilität (Kreativität und Innovationsfähigkeit).

Was diese fünf Punkte ‚wesentlich’ sein lässt und wie sie in der Praxis des Unternehmens gemanagt werden, wird hier mit zahlreichen Verweisen auf die entsprechenden Seiten dieses Berichts erläutert.

2. Die verbesserte Ermittlung der konzernweiten CO2-Emissionen

Fortschreitende Digitalisierung braucht viel elektrische Energie. Untersuchungen schätzen, dass der weltweite Energiebedarf digitaler Geräte und Rechenzentren etwa zwei Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verursacht, mit zunehmender Tendenz.

So gewinnt die Frage nach einer mit möglichst geringem Aufwand vollständig, kontinuierlich und prüfsicher ermittelbaren Zahl der tatsächlich in einem Unternehmen verbrauchten Energie mit der weiteren Digitalisierung, der anhaltenden Diskussion um CO2-neutrale Produktion sowie klimaeffiziente Unternehmensumsätze weiter an Bedeutung. Solange der wirkliche Energieverbrauch aber nicht im „Steuerungscockpit“ auftaucht, bleibt auch die tatsächliche CO2-Emission unklar.

Jedoch schmälerten Digitalisierung und Internationalisierung des Unternehmens in den vergangenen Jahren die Repräsentativität der Energie-Daten. Denn im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung des Konzerns konsolidiert die Axel Springer SE inzwischen gut 180 größere und kleinere, Unternehmen mit Sitz auf mehreren Kontinenten (die Liste der Beteiligungen zum 31. Dezember 2015 finden sich im Geschäftsbericht 2015).

Um dem Problem sinkender Repräsentativität angegebener CO2-Emissionen entgegenzuwirken, kooperieren Referat Nachhaltigkeit und Konzernrechnungswesen. Das im Rechnungswesen verwendete und im Unternehmen weltweit per Schnittstelle angebundene Datenerfassungstool „IAS Notes“ wurde um eine „Reporting Energy“-Eingabemaske erweitert. Das ermöglicht eine erste, deutlich vollständigere Erfassung der in 2014 und 2015 weltweit eingesetzten Menge an Elektrizität, Fernwärme und Erdgas. Die Ergebnisse enthalten noch eine Reihe von Unschärfen, stellen jedoch eine gute Grundlage für die weitere Optimierung zur vollständigen Datensammlung dar. Eine Länder-Übersicht der CO2-Emission aus Elektrizität, Erdgas und Fernwärme finden Sie hier.

Neben der Ausrichtung auf regenerative Energiequellen, den Fortschritten im Rahmen von Green-IT, der Umrüstung auf LED-Beleuchtung und einem verbesserten Energie-Management im Büroalltag, wie zum Beispiel die Verringerung der PC-Standby-Phasen, ist die jetzt deutlich verbesserte Datenlage eine wichtige Grundlage für die kontinuierliche Optimierung der CO2-Effizienz eines Unternehmens, dessen digitale Medienkanäle international bereits knapp drei Viertel zu den Pro-forma-Konzernerlösen beitragen.

Und nochmal zu Fragen unserer Stakeholder

Neben der oben beschriebenen systematischen Befragung von Stakeholdern, haben wir auch Einzelstimmen zum Beispiel einer Hamburger Umweltorganisation und eines Berliner Wirtschaftsprofessors notiert. Die angesprochenen Anliegen sollen hier kurz reflektiert werden:

Zum „Stellenwert von Nachhaltigkeit sowie zum ökologischen Fußabdruck des Unternehmens“: Nachhaltigkeit ist ein Dreiklang aus Ökologie, Sozialem und Ökonomie. Ein Unternehmen, das für kritischen Journalismus steht, muss sich daher auch selber einer kritischen Überprüfung stellen. So veröffentlicht das Unternehmen schon seit 1995 Umwelt- und Nachhaltigkeitsberichte. 

Zur „Haltung im Hinblick auf internationale klimarelevante Abkommen“: Für das Management sind Abkommen dieser Art Hinweise auf kommende Anforderungen, die sich dann auch in Form von Kundenwünschen oder konkreter Regulierung wiederfinden. Für die Redaktionen sind internationale Klima-Abkommen ein wichtiges Thema, über das Nutzer und Leser kontinuierlich informiert werden. Zugleich tragen Redaktionen mit Analysen und kritischen Kommentaren auch bei diesem Thema zur gesellschaftlichen Debatte bei. 

Zu „ Innovation und Entwicklung nachhaltiger Alternativen“: Axel Springer gründete seinen Verlag 1946 in Hamburg, die Redaktion arbeitete im ersten Jahr über einem Lager für Tee und Gewürze, oft ohne Strom und mit geliehenen Schreibmaschinen. Durch Internationalisierung und Digitalisierung ist die Axel Springer SE heute nicht nur Marktführer im deutschen Printgeschäft, sondern auch mit Tochtergesellschaften, Joint Ventures und Lizenzen in mehr als 40 Ländern aktiv. Ohne Ressourceneffizienz und ständige innovative Unruhe ist so eine Entwicklung nicht denkbar.

Zu „Transparenz und Knappheit der Nachhaltigkeitsberichterstattung“: Mit Blick auf Nutzerfreundlichkeit veröffentlich Axel Springer seine Nachhaltigkeitsberichte ausschließlich digital. Bei jeder neuen Ausgabe wird versucht, die Menge an Information knapp zu halten. Dagegen stehen zunehmende Detailanforderungen der Global Reporting Initiative GRI, dem Standard für Nachhaltigkeitsberichte, sowie der zahlreichen Ratingagenturen, die sich ein Bild von dem Nachhaltigkeitsprofil des Unternehmens machen wollen. 

Zur „Beurteilung von Kennzahlen“: Hier liegt auch für die Betriebswirtschaftslehre eine Herausforderung und ein wichtiges Feld für die Weiterentwicklung von Nachhaltigkeitsberichten. Eine Voraussetzung für das Benchmarking ist die Ermittlung möglichst vollständiger Daten. Am Beispiel Energie und CO2 wird in dieser Ausgabe über einen neuen Ansatz berichtet.

Für Fragen und Anregungen steht das Referat Nachhaltigkeit jederzeit gerne zur Verfügung.

Mit besten Grüßen

Florian Nehm

Leiter Referat Nachhaltigkeit
Axel Springer SE
Tel.: +49 30 2591 793 70
nachhaltigkeit@axelspringer.de