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Freiheit ist das Fundament unseres Unternehmens

 
Als leidenschaftlicher Journalist, mutiger Unternehmer und visionärer Freiheitskämpfer begleitete Axel Springer (1912 bis 1985) die Entstehung unserer Demokratie.
Als leidenschaftlicher Journalist, mutiger Unternehmer und visionärer Freiheitskämpfer begleitete Axel Springer (1912 bis 1985) die Entstehung unserer Demokratie.

Medienunternehmen tragen in einer Demokratie gesellschaftliche Verantwortung, weil sie die Meinungsbildung ihrer Leser, Hörer, Zuschauer, ihrer Nutzer prägen. Als einziger, unabhängiger Verlag besitzt Axel Springer deshalb seit 1967 mit den Essentials eine Unternehmensverfassung, um dieser Verantwortung auf transparente Weise Rechnung zu tragen.

Die Essentials wurden 1967 von Axel Springer formuliert, nach der Wiedervereinigung 1990 geändert und unter dem Eindruck der Anschläge des 11. September 2001 ergänzt.

2016 hat der Vorstand der Axel Springer SE angesichts der zunehmenden Internationalisierung des Unternehmens beschlossen, zusätzlich zu den bekannten Essentials, die für die Mitarbeiter in Deutschland gelten, eine international gültige Variante einzuführen. Diese gibt allen Mitarbeitern weltweit Orientierung über den Unternehmenszweck, für die Freiheit einzustehen.

  1. Wir treten ein für Freiheit, Rechtsstaat, Demokratie und ein vereinigtes Europa.
  2. Wir unterstützen die Lebensrechte Israels.
  3. Wir zeigen unsere Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika.
  4. Wir lehnen politischen und religiösen Extremismus ab.
  5. Wir setzen uns für eine freie und soziale Marktwirtschaft ein.

Wie werden die Grundsätze in den Redaktionen gelebt?

Bieten sie Orientierung? Motiviert die Transparenz zu einer klaren, liberalen Haltung? Sind sie eine Selbstverständlichkeit? Schränken sie die Meinungsfreiheit ein? Thomas Schmid kommentiert das geistige, gesellschaftspolitische Erbe Axel Springers aus Sicht eines Herausgebers, drei Chefredakteure berichten aus der Praxis.


Jan Eric Peters, Chefredakteur und Chief Product Officer UPDAY
Jan Eric Peters, Chefredakteur und Chief Product Officer UPDAY

Dreimal "Ja"

Bieten die Essentials Orientierung? Motivieren sie zu einer klaren Haltung? Sind sie für Sie persönlich eine Selbstverständlichkeit? 

Drei Fragen, die man mit einem einzigen Wort beantworten könnte?

Ja. Ja. Ja.

Für unseren freiheitlichen Rechtsstaat, für das Lebensrecht des israelischen Volkes, für die Wertegemeinschaft mit Amerika und eine freie und soziale Marktwirtschaft und gegen politischen Totalitarismus. Natürlich, die Essentials sind selbstverständlich! Ich wollte nie in einer Redaktion arbeiten, in der anderes gilt, ich könnte es nicht.

Und trotzdem ist es gut, dass es diese Selbstverständlichkeiten auch als geschriebenes Grundgesetz unseres Hauses gibt. Die Essentials sind ein Bekenntnis, das uns journalistisch jede Freiheit lässt, sie im Grunde sogar erst möglich macht. Sie definieren für jeden sichtbar unsere Haltung, nach innen wie nach außen; sie geben buchstäblich Halt.

Oder kurz: Die Essentials sind das Fundament, auf dem wir mit geradem Rücken stehen können. Schön!


Kai Diekmann, Herausgeber BILD-Gruppe
Kai Diekmann, Herausgeber BILD-Gruppe

Kritik nicht ausgeschlossen

Wenn ich in Reden oder Gesprächen von den fünf Grundsätzen von Axel Springer berichte, gibt es in der Regel drei mögliche Reaktionen: Verwunderung, Verwirrung, Bewunderung.

Verwunderung, dass diese Grundsätze Bestandteil unserer Arbeitsverträge sind. Das ist lange nicht jedem bekannt.

Verwirrung, ob das nicht heißt, dass wir immer und absolut Pro-Israel und Pro-Amerika berichten müssten.

Bewunderung für diese Haltung und dafür, dass sie in Grundsätzen manifestiert ist.

Und oft kommt dann die Frage: Wie wir es anstellen, uns daran zu halten und sie zu leben?

Axel Springer stand zeit seines Lebens für eine klare Haltung. Und dass die Grundsätze nicht nur leere Worte waren, hat er durch sein unermüdliches Engagement bewiesen. Eine klare Haltung ist Markenkern von BILD. Für uns sind die Grundsätze nicht nur Teil unserer Arbeitsverträge. Sie sind für uns Leitbild und Selbstverständlichkeit  in unserer Arbeit – und selbstverständlich ist es möglich, die Politik Israels oder der USA auch kritisieren zu können. Sie sind für uns Auftrag, das Engagement Axel Springers fortzuführen. Sie sind für uns Ansporn, deutliche Zeichen zu setzen – mit dem Zusammentreffen der „Väter der Einheit“, George Bush, Michail Gorbatschow und Helmut Kohl, zum 20-jährigen Jubiläum der deutschen Einheit, mit der Übergabe der Original-Baupläne des Konzentrationslagers Auschwitz an den israelischen Premier Benjamin Netanjahu, die heute als „Dokumente des Grauens“ in der Gedenkstätte Yad Vashem ausgestellt werden, oder mit der Sonderausgabe zum 10. Jahrestag der Terroranschläge in den USA, die BILD mit einem 40-köpfigen Team direkt aus New York produzierte.


Peter Huth, Chefredakteur B.Z.
Peter Huth, Chefredakteur B.Z.

Es ist viel einfacher

Es gibt Sätze, die sind so selbstverständlich, dass man sie nicht niederschreiben brauchte. Der zweite Unternehmens-Grundsatz, das „Herbeiführen der Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen“ sowie die „Unterstützung der Lebensrechte des israelischen Volkes“, ist so ein Fall. Wer könnte dem widersprechen? Wer ist denn gegen eine Aussöhnung zwischen Deutschen und Juden, wer außer Wahnsinnigen würde dem israelischen Volk (oder irgendeinem Volk) das Lebensrecht verweigern?

Trotzdem musste ich nichts öfter verteidigen: in Partyküchen, in Diskussionsrunden, bei Kollegen. Die Methode der Kritiker ist immer gleich: Sie fantasieren Dinge in den Satz, die überhaupt nicht formuliert sind. Dass man also gegen das Lebensrecht der Palästinenser sei. Dass man die israelische Politik in jedem Fall gutzuheißen habe. Dass man grundsätzlich islamfeindlich sei. Und immer wieder den gleichen Satz über die Juden, die ja nichts gelernt hätten aus der eigenen Geschichte, fast wird einem übel, wenn man das jetzt aufschreibt. Denn natürlich ist das Gegenteil der Fall. 

Die B.Z. wurde vor 135 Jahren gegründet. Nach einem halben Jahr war sie pleite. Die Familie Ullstein kaufte das Blatt und baute um sie herum den größten Zeitungskonzern Europas, einen Leuchtturm für liberalen Geist und exzellenten Journalismus. Die Nazis entrissen dieser deutschen Familie mit jüdischen Wurzeln alles, was sie hatte. Die Nachkriegs-Behörden taten deutlich mehr dagegen als dafür, den Ullsteins ihr Eigentum zurückzugeben. Axel Springer rettete das Unternehmen, lange bevor seine Liebe zu Israel so innig entflammte.

Wir bei der B.Z. sehen uns in der Tradition von Axel Springers Visionen und dem Geist der Ullsteins. Wir tragen ihren Namen im Titel unseres Verlages, wir sind die Erben eines jüdischen Unternehmens in Berlin.

Wenn ich aber den zweiten Grundsatz der Axel Springer SE verteidige, bin ich nicht Chefredakteur, nicht Angestellter, sondern viel einfacher: ein Deutscher.