A - +

Unsere Unternehmensgrundsätze

 
Als leidenschaftlicher Journalist, mutiger Unternehmer und visionärer Freiheitskämpfer begleitete Axel Springer (1912 - 1985) die Entstehung unserer Demokratie.
Als leidenschaftlicher Journalist, mutiger Unternehmer und visionärer Freiheitskämpfer begleitete Axel Springer (1912 - 1985) die Entstehung unserer Demokratie.

Als einziges unabhängiges Medienunternehmen besitzt die Axel Springer SE eine Unternehmensverfassung. Der Gründer wusste um die besondere Verantwortung seiner Medien: Axel Springer formulierte vier Grundsätze für die publizistische Arbeit seines Hauses und stellte sie am 26. Oktober 1967 im Hamburger Übersee-Club der Öffentlichkeit vor. Nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 wurde die Ursprungsfassung angepasst (Förderung der Einigungsbemühungen der Völker Europas) und nach den Terroranschlägen in den Vereinigten Staaten am 11. September 2001 als sichtbares Zeichen der Solidarität ergänzt (Unterstützung des transatlantischen Bündnisses).

Die fünf Grundsätze beschreiben ein freiheitliches Weltbild. Mathias Döpfner erläutert Axel Springers Werteorientierung: „Medien haben eine große Verantwortung gegenüber Einzelnen – und gegenüber der Gesellschaft insgesamt. Die Geschichte lässt Zweifel daran aufkommen, ob die Medien unseres Landes dieser besonderen Verantwortung immer in ausreichendem Maße gerecht geworden sind.“ Überlegungen in diese Richtung hätten Axel Springer veranlasst, die vier Essentials für die publizistische Arbeit seines Hauses zu formulieren. Der Verleger bezeichnete sie als „Pflöcke, die gesteckt sind, zwischen denen sich die journalistische Individualität und das fachliche Können unserer Redakteure, Reporter, Leitartikler und Korrespondenten entfalten kann.“

Die fünf gesellschaftspolitischen Unternehmensgrundsätze sind Bestandteil der Unternehmenssatzung. Sie beschreiben ein freiheitliches Weltbild:

  1. Das unbedingte Eintreten für den freiheitlichen Rechtsstaat Deutschland als Mitglied der westlichen Staatengemeinschaft und die Förderung der Einigungsbemühungen der Völker Europas.

  2. Das Herbeiführen einer Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen, hierzu gehört auch die Unterstützung der Lebensrechte des israelischen Volkes.

  3. Die Unterstützung des transatlantischen Bündnisses und die Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika.

  4. Die Ablehnung jeglicher Art von politischem Totalitarismus.

  5. Die Verteidigung der freien sozialen Marktwirtschaft.


Wie werden die Grundsätze in den Redaktionen gelebt?

Bieten sie Orientierung? Motiviert die Transparenz zu einer klaren, liberalen Haltung? Sind sie eine Selbstverständlichkeit? Schränken sie die Meinungsfreiheit ein? Thomas Schmid kommentiert das geistige, gesellschaftspolitische Erbe Axel Springers aus Sicht eines Herausgebers, drei Chefredakteure berichten aus der Praxis.

Thomas Schmid, 2008 bis 2010 Chefredakteur, Herausgeber WELT-Gruppe
Thomas Schmid, 2008 bis 2010 Chefredakteur, Herausgeber WELT-Gruppe

Die Grundsätze, ein Wertekompass

"Freiheit gibt es nur dann, wenn sie in Anspruch genommen wird. Der Wunsch nach Freiheit hat etwas Unbedingtes, auch etwas Unbändiges. Schlüge er nicht manchmal über die Stränge, dann stünde es schlecht um ihn. Und was für die Freiheit gilt, gilt ebenso für einen Teil von ihr, für die Freiheit der Meinung. Sie verträgt keine Gängelung, keine obrigkeitlichen Einschränkungen, keine Fesseln.

Ist es ein Verstoß gegen diese Grundregel der offenen Gesellschaft, wenn sich der Axel Springer Verlag Leitlinien gegeben hat, gegen die kein Journalist des Hauses ungestraft verstoßen darf? Ist es unfreiheitlich, wenn wir etwa angehalten sind, für den freiheitlichen Rechtsstaat Deutschland einzutreten oder die Lebensrechte des israelischen Volkes und das transatlantische Bündnis zu unterstützen? Verlassen wir damit den Pfad eines ergebnisoffenen Journalismus? Oder: Warum eigentlich soll es untersagt sein, die Einigungsbemühungen der Völker Europas nicht zu unterstützen?

Journalismus ist nicht Kunst. Diese kann von der Provokation leben, Journalismus nicht. Journalisten tun gut daran, wider den Strom zu schwimmen, Dogmen zu hinterfragen und dem Mainstream nicht zu folgen. Es könnte alles auch anders sein: Es ist eine journalistische Tugend, das nie zu vergessen.

Von Gängelung keine Spur

Doch es ist ebenso eine journalistische Tugend, verantwortlich zu handeln. Wenn es auch nur annähernd stimmt, dass die Presse die vierte Macht im Staate ist, dann heißt das auch: Sie ist keine Privatveranstaltung, sie ist sowohl gegenüber ihren Kunden, den Lesern, wie auch gegenüber dem Gemeinwesen insgesamt und seiner Geschichte in der Pflicht. Es steht nicht im Widerspruch zur Freiheit, sich auf Werte zu verständigen und sie zu achten. Es macht das große Glück der Deutschen aus, dass es ihnen nach der selbst verschuldeten Nazi-Barbarei gelungen ist, und zwar keineswegs aus eigener Kraft allein, das beste Gemeinwesen zu schaffen, das es je auf deutschem Boden gegeben hat.

Dass Recht und nicht Willkür herrscht; dass Europa dauerhaft kein Kriegsschauplatz mehr ist; dass es einen jüdischen Staat gibt und – trotz des Holocaust – wieder ein jüdisches Leben in Deutschland; dass uns Amerika, das entlaufene bessere Europa, nach dem Zweiten Weltkrieg geholfen und die Bundesrepublik unversehrt über den Kalten Krieg gerettet hat; dass der Totalitarismus, der immer mit der süßen Versuchung der einfachen Lösung aufwartet, in jeglicher Ausformung ein Übel ist; und dass nur eine Wirtschaft, die nicht gegängelt, wohl aber verantwortungsbewusst ist, gutes Leben ermöglicht: Das alles sind Einsichten und Gewissheiten, die Lehren aus dem unseligen Teil unserer Geschichte enthalten und so etwas wie die Quintessenz unserer glücklichen Nachkriegsgeschichte darstellen. Nichts ist ewig auf der Welt, das aber sollte schon so haltbar wie irgend möglich bleiben. Sich darauf zu einigen, sich darauf zu verpflichten – das hat nun wirklich nichts mit Gängelung zu tun."


Jan Eric Peters, Chefredakteur WELT-Gruppe
Jan Eric Peters, Chefredakteur WELT-Gruppe

Dreimal "Ja"

"Bieten die Essentials Orientierung? Motivieren sie zu einer klaren Haltung? Sind sie für Sie persönlich eine Selbstverständlichkeit? 

Drei Fragen, die man mit einem einzigen Wort beantworten könnte?

Ja. Ja. Ja.

Für unseren freiheitlichen Rechtsstaat, für das Lebensrecht des israelischen Volkes, für die Wertegemeinschaft mit Amerika und eine freie und soziale Marktwirtschaft und gegen politischen Totalitarismus. Natürlich, die Essentials sind selbstverständlich! Ich wollte nie in einer Redaktion arbeiten, in der anderes gilt, ich könnte es nicht.

Und trotzdem ist es gut, dass es diese Selbstverständlichkeiten auch als geschriebenes Grundgesetz unseres Hauses gibt. Die Essentials sind ein Bekenntnis, das uns journalistisch jede Freiheit lässt, sie im Grunde sogar erst möglich macht. Sie definieren für jeden sichtbar unsere Haltung, nach innen wie nach außen; sie geben buchstäblich Halt.

Oder kurz: Die Essentials sind das Fundament, auf dem wir mit geradem Rücken stehen können. Schön!“


Kai Diekmann, Chefredakteur BILD
Kai Diekmann, Chefredakteur BILD

Kritik nicht ausgeschlossen

"Wenn ich in Reden oder Gesprächen von den fünf Grundsätzen von Axel Springer berichte, gibt es in der Regel drei mögliche Reaktionen: Verwunderung, Verwirrung, Bewunderung.

Verwunderung, dass diese Grundsätze Bestandteil unserer Arbeitsverträge sind. Das ist lange nicht jedem bekannt.

Verwirrung, ob das nicht heißt, dass wir immer und absolut Pro-Israel und Pro-Amerika berichten müssten.

Bewunderung für diese Haltung und dafür, dass sie in Grundsätzen manifestiert ist.

Und oft kommt dann die Frage: Wie wir es anstellen, uns daran zu halten und sie zu leben?

Axel Springer stand zeit seines Lebens für eine klare Haltung. Und dass die Grundsätze nicht nur leere Worte waren, hat er durch sein unermüdliches Engagement bewiesen. Eine klare Haltung ist Markenkern von BILD. Für uns sind die Grundsätze nicht nur Teil unserer Arbeitsverträge. Sie sind für uns Leitbild und Selbstverständlichkeit  in unserer Arbeit – und selbstverständlich ist es möglich, die Politik Israels oder der USA auch kritisieren zu können. Sie sind für uns Auftrag, das Engagement Axel Springers fortzuführen. Sie sind für uns Ansporn, deutliche Zeichen zu setzen – mit dem Zusammentreffen der „Väter der Einheit“, George Bush, Michail Gorbatschow und Helmut Kohl, zum 20-jährigen Jubiläum der deutschen Einheit, mit der Übergabe der Original-Baupläne des Konzentrationslagers Auschwitz an den israelischen Premier Benjamin Netanjahu, die heute als „Dokumente des Grauens“ in der Gedenkstätte Yad Vashem ausgestellt werden, oder mit der Sonderausgabe zum 10. Jahrestag der Terroranschläge in den USA, die BILD mit einem 40-köpfigen Team direkt aus New York produzierte."


Peter Huth, Chefredakteur B.Z.
Peter Huth, Chefredakteur B.Z.

Es ist viel einfacher

"Es gibt Sätze, die sind so selbstverständlich, dass man sie nicht niederschreiben brauchte. Der zweite Unternehmens-Grundsatz, das „Herbeiführen der Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen“ sowie die „Unterstützung der Lebensrechte des israelischen Volkes“, ist so ein Fall. Wer könnte dem widersprechen? Wer ist denn gegen eine Aussöhnung zwischen Deutschen und Juden, wer außer Wahnsinnigen würde dem israelischen Volk (oder irgendeinem Volk) das Lebensrecht verweigern?

Trotzdem musste ich nichts öfter verteidigen: in Partyküchen, in Diskussionsrunden, bei Kollegen. Die Methode der Kritiker ist immer gleich: Sie fantasieren Dinge in den Satz, die überhaupt nicht formuliert sind. Dass man also gegen das Lebensrecht der Palästinenser sei. Dass man die israelische Politik in jedem Fall gutzuheißen habe. Dass man grundsätzlich islamfeindlich sei. Und immer wieder den gleichen Satz über die Juden, die ja nichts gelernt hätten aus der eigenen Geschichte, fast wird einem übel, wenn man das jetzt aufschreibt. Denn natürlich ist das Gegenteil der Fall. 

Die B.Z. wurde vor 135 Jahren gegründet. Nach einem halben Jahr war sie pleite. Die Familie Ullstein kaufte das Blatt und baute um sie herum den größten Zeitungskonzern Europas, einen Leuchtturm für liberalen Geist und exzellenten Journalismus. Die Nazis entrissen dieser deutschen Familie mit jüdischen Wurzeln alles, was sie hatte. Die Nachkriegs-Behörden taten deutlich mehr dagegen als dafür, den Ullsteins ihr Eigentum zurückzugeben. Axel Springer rettete das Unternehmen, lange bevor seine Liebe zu Israel so innig entflammte.

Wir bei der B.Z. sehen uns in der Tradition von Axel Springers Visionen und dem Geist der Ullsteins. Wir tragen ihren Namen im Titel unseres Verlages, wir sind die Erben eines jüdischen Unternehmens in Berlin.

Wenn ich aber den zweiten Grundsatz der Axel Springer SE verteidige, bin ich nicht Chefredakteur, nicht Angestellter, sondern viel einfacher: ein Deutscher."