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Neuer Ansatz zur Ermittlung der eingesetzten Energie

 
Im Konzernrechnungswesen laufen u.a. die Zahlen der Kostenarten – wie zum Beispiel Energie – aus dem ganzen Unternehmen zusammen. Martin Hunger (links im Bild) und Thomas Brennenstuhl nutzen bestehende 'reporting lines' zu den vielen Tochtergesellschaften auch für die Ermittlung der eingesetzten Energiemenge. Dazu wurde das weltweit per Schnittstelle angebundene Datenerfassungstool „IAS Notes“ um eine „Reporting Energy“-Eingabemaste erweitert. (Foto: Axel Springer SE)
Im Konzernrechnungswesen laufen u.a. die Zahlen der Kostenarten – wie zum Beispiel Energie – aus dem ganzen Unternehmen zusammen. Martin Hunger (links im Bild) und Thomas Brennenstuhl nutzen bestehende 'reporting lines' zu den vielen Tochtergesellschaften auch für die Ermittlung der eingesetzten Energiemenge. Dazu wurde das weltweit per Schnittstelle angebundene Datenerfassungstool „IAS Notes“ um eine „Reporting Energy“-Eingabemaste erweitert. (Foto: Axel Springer SE)

Das Problem

Fortschreitende Digitalisierung (ver)braucht viel elektrische Energie. Untersuchungen schätzen, dass der weltweite Energiebedarf digitaler Geräte und Rechenzentren etwa zwei Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verursacht, mit zunehmender Tendenz. Das entspricht ungefähr den durch die weltweite Flugmobilität entstehenden CO2-Emissionen. So gewinnt die Frage nach einer mit möglichst geringem Aufwand vollständig, kontinuierlich und prüfsicher ermittelbaren Zahl der tatsächlich in einem Unternehmen verbrauchten Energie mit der weiteren Digitalisierung, der anhaltenden Diskussion um CO2-neutrale Produktion sowie klimaeffiziente Unternehmensumsätze an Bedeutung. Solange der wirkliche Energieverbrauch aber nicht im „Steuerungscockpit“ eines Unternehmens auftaucht, bleibt die tatsächliche CO2-Emission unklar.

In unseren privaten Haushalten lesen wir die Stromrechnungen ungefähr so wie beim Tanken an der Zapfsäule: Rechnungsbetrag und dafür erhaltene Menge sind mit einem „Doppelblick“ erkennbar. Für Unternehmen in der vordigitalen Zeit galt, dass diese zumeist eine stabile Anzahl fest verorteter Bürogebäude und Betriebsstandorte besaßen, die mit einer überschaubaren Anzahl von Stromzählern ausgestattet waren, die unkompliziert abgelesen werden konnten. Wer sich umhört, wird aber möglicherweise feststellen, dass viele Unternehmen keine sehr präzisen Vorstellungen der tatsächlich insgesamt konzernweit eingesetzten Energiemengen haben. Dazu verstärken Digitalisierung und Internationalisierung in vielen Fällen das Repräsentativitäts-Defizit der z.B. in Nachhaltigkeitsberichten gemachten Angaben zu Energie und CO2. 

Die Herausforderung

Für einen möglichst präzisen Überblick der Nachhaltigkeitsperspektiven, ist eine möglichst genaue Kenntnis der im Gesamtunternehmen eingesetzten Energiemenge und des daraus errechenbaren klimawirtsamen CO2-Fußabdrucks notwendig. Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung des Konzerns konsolidiert die Axel Springer SE inzwischen gut 180 größere und kleinere internetbasierte Unternehmen mit Sitz auf mehreren Kontinenten (die Liste der Beteiligungen zum 31. Dezember 2015 finden sich im Geschäftsbericht 2015).

Diese „Unternehmensfamilie“ wird kontinuierlich durch neu hinzukommende digitale „Grown Ups“ und „Start Ups“ erweitert. Sie bestehen materiell aus Büroräumen mit Kaffeemaschinen, Licht- und Telefonanlagen, PCs, Laptops, Scannern und vielen irgendwo stationierten Rechenzentren, ggf. sogar einem eigenem Fuhrpark. Die Ermittlung der Energieverbrauchszahlen von bisher drei Zeitungsdruckereien und einem großen Verlagsstandort war mit herkömmlichen Abläufen unkompliziert machbar. Weil sich aber Anzahl und globale Verortung der zum digitalen Verlag Axel Springer zählenden „StartUps“ und „GrownUps“ laufend dynamisch verändert, ist das „Ablesen von Stromzählern“ früherer Zeiten nicht mehr effektiv durchführbar.

Die Repräsentativität der für den Konzern angegebenen Mengen würde kontinuierlich sinken. Wie also könnte der weltweite Energieeinsatz aller konsolidierten Unternehmensteile mit überschaubarem Aufwand ermittelt werden? Auf der Suche nach neuen Ansätzen hat das Konzernrechnungswesen zusammen mit dem Referat Nachhaltigkeit der Axel Springer SE ein konzernweit ausgelegtes Energieeinsatzsermittlungsverfahren entwickelt und implementiert.

Der neue Ansatz

Zu den wenigen nach der jeweiligen Eingliederung in die Axel Springer Familie umgehend eingerichteten „Reporting-Lines“ zählt die Meldung relevanter Finanzzahlen an das Konzernrechnungswesen – die verschiedene Erlös- und Kostenarten umfassen, u.a. auch die Energiekosten. Für die Eingabe und Meldung dieser Finanzdaten sind die Mitarbeiter der jeweiligen Chief Financial Officers der Tochtergesellschaften (CFO) zuständig. Dieser bei sämtlichen Gesellschaften etablierte Meldeweg könnte daher auch für die Erhebung nicht-finanzieller Kennzahlen, wie der Energiemenge, nutzbar sein, so der Gedanke. Dazu wurde das bereits verwendete und im Unternehmen weltweit per Schnittstelle angebundene Datenerfassungstool „IAS Notes“ um eine „Reporting Energy“-Eingabemaske erweitert.

Eine gute Weiterentwicklung

Verständnis und Motivation in den Tochterunternehmen sind gut. Vorhandene und etablierte Meldewege und Meldetools können durch Anpassungsmaßnahmen und Routine effizienzsteigernd genutzt werden. Und, ganz wichtig: Künftig können bei Axel Springer rund 90 Prozent der von den konsolidierten Unternehmensteilen in einem bestimmten Jahr zugekauften Energie mengenmäßig dokumentiert werden. Auf dieser Grundlage sollte mit Hilfe der länderspezifischen CO2-Faktoren die zumindest annähernde CO2-Emission des Gesamtunternehmens prüf-fest ermittelt werden können.

Das ist ein Fortschritt, denn die Repräsentativität der im Nachhaltigkeitsbericht der Axel Springer SE für das Unternehmen angegebenen Energiemengen und CO2-Emissionen neigte sich im Zuge von Digitalisierung und Internationalisierung bedenklich in Richtung der 50 Prozent Marke. So kann der hier beschriebene Ansatz auch für andere Unternehmen eine pragmatische Lösung für das im Zuge von Digitalisierung und Internationalisierung verstärkt entstehende Repräsentativitäts-Defizit von Angaben zur CO2-Emission darstellen.



Fußnote

Hinweise zum Energie-Einsatz des Gesamtunternehmens

Digitalisierung und Internationalisierung des Unternehmens erschwerten in den vergangenen Jahren wegen der wachsenden Zahl konsolidierter  Tochtergesellschaften die Datenerhebung. Das schmälerte die Vollständigkeit der im Nachhaltigkeitsbericht dokumentierten Energie-Daten.

Diesem Problem wird mit einem neuen Verfahren entgegen gewirkt: Im Konzernrechnungswesen laufen u.a. die Zahlen der Kostenarten – wie zum Beispiel Energie – aus dem ganzen Unternehmen zusammen. Jetzt werden bestehende 'reporting lines' zu den vielen Tochtergesellschaften auch für die Ermittlung der eingesetzten Energiemenge genutzt. Dazu wurde das weltweit per Schnittstelle angebundene Datenerfassungstool „IAS Notes“ um eine „Reporting Energy“-Eingabemaste erweitert. Das ermöglicht eine erste, weitgehend vollständige Erfassung des Energieeinsatzes (Erdgas, Fernwärme und Elektrizität) des Unternehmens sowie der 180 (Stand 31. Januar 2015) vollkonsolidierten Tochterunternehmen weltweit für die Jahre 2014 und 2015. Dieser neue Weg der Datenerhebung wird weiter entwickelt und optimiert. 

Die Erfassung der vom Unternehmen inklusive der vollkonsolidierten Tochtergesellschaften eingesetzten Menge Erdgas, Fernwärme und Elektrizität ergibt für das Jahr 2015 insgesamt 137.433 MWh (2014 = 143.989 MWh).

Aufgrund des mit diesem erstmals genutzten Weg der Erfassung weltweit eingesetzter Energiemengen (Elektrizität, Fernwärme und Erdgas) einhergehenden Lernprozesses, unterliegt der über das Datenerfassungstool „IAS-Notes“ ermittelte Daten-Anteil einer Reihe von Unschärfen.

Ursachen für Daten-Unschärfen:

  • Büro-Umzüge, wie sie bei einem wachsenden Unternehmen vorkommen, führen zu „gemischten“ Energiemengen-Abrechnungen und tragen damit zur Daten-Unschärfe bei. Ein Teil der konsolidierten Tochtergesellschaften hat die eingesetzte Energie (Strom, Fernwärme, Erdgas) nur unvollständig, erkennbar unplausibel oder gar nicht gemeldet. Bei Berücksichtigung der von diesem Kreis gemeldeten Energiekosten wird jedoch deutlich, dass es sich hier in der Gesamtschau um vernachlässigbare Größenordnungen handelt. Bei fehlenden Datenmeldungen von Energiemengen wurde eine Schätzung über die Energiekosten vorgenommen.

  • Mietabrechnungs-Transparenz: Eine Reihe von Immobilienverwaltungen in- und außerhalb der EU, bei denen Tochtergesellschaften ihre Büroräume mieten, melden die Abrechnung von energiebezogenen Nebenkosten mit erheblicher zeitlicher Verzögerung. Bei einer Reihe von Mietverträgen vor allem kleinerer Büros sind Energiekosten für Heizung im Mietzins enthalten. In diesen Fällen wurden die Energiemengen mit Hilfe von Durchschnittskosten ermittelt. In Fällen unvollständiger Datenmeldung wurden Durchschnittskosten geschätzt. Bei einigen Tochtergesellschaften wurden für internationale Teile des Unternehmens die gleichen Durchschnittskosten für unterschiedliche Länder angewandt. Wo keine Energiekosten vorlagen, wurde im Sinn einer Konsistenz der Kostenerfassung auch keine Energiemengen hochgerechnet.

Externe Plausibilisierung

Die Erfassung der vom Unternehmen inklusive der vollkonsolidierten Tochtergesellschaften eingesetzten Menge Erdgas, Fernwärme und Elektrizität ergibt für das Jahr 2015 insgesamt 137.433 MWh (2014 = 143.989 MWh). Davon wurden für das Jahr 2014 im Rahmen des 2015 an ausgewählten Standorten in Deutschland durchgeführten und extern durch ECG validierten Energieaudits für den Einsatz von Erdgas, Fernwärme und Elektrizität zusammen 105.204 MWh ermittelt. Das entspricht 69 Prozent des in diesem Bericht für das Gesamtunternehmen 2014 angegebenen Einsatzes von Erdgas, Fernwärme und Elektrizität.

Die übrigen 31 Prozent der in diesem Bericht für das Jahr 2014 angegebenen Mengen an Erdgas, Fernwärme und Elektrizität wurden allein über das im Konzernrechnungswesen verwendete Datenerfassungstool „IAS Notes“ erhoben, an das alle Unternehmensteile und Tochtergesellschaften weltweit per Schnittstelle angebundene sind. Wegen des für das Jahr 2015 nicht erneut durchgeführten Energieaudits liegt der liegt der Anteil extern validierter Energiemengen (Elektrizität, Fernwärme, Erdgas) für 2015 bei 39 Prozent und der allein über das im Konzernrechnungswesen verwendete Datenerfassungstool „IAS Notes“ erhobene
Datenanteil bei 61 Prozent.

Die extern von ECG durchgeführte Validierung beruht sowohl auf Sichtung von Lastgang-Rohdaten als auch auf die Sichtung manuell erfasster Energie-Rechnungen sowie Nebenkosten-Abrechnungen.

Ziele: Für die Jahre 2016 und 2017 sollen 75 Prozent des weltweiten Energieeinsatzes an Elektrizität, Fernwärme und Erdgas der Axel Springer SE in validierter Qualität ermittelt werden.