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Öko-Kennzahlen eigener Druckereien in Deutschland

 
Die Umweltorganisation Naturschutzbund Deutschland (NABU) will Unternehmen für die Möglichkeiten sensibilisieren, durch die naturnahe Gestaltung ihres Betriebsgeländes wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu schaffen. Zur Dokumentation geeigneter „UnternehmensNatur“–Beispiele nahm der NABU-Hamburg 2014 in der Ahrensburger Zeitungsdruckerei ein Video auf.

Frühwarnsystem zur Aufdeckung von Schwachstellen

Neben Steuerung und Information gehört die Generierung spezifischer Umweltkennzahlen zu den Aufgaben des Umweltcontrollings. Kennzahlen verdichten Umweltdaten auf eine überschaubare Anzahl und erleichtern damit die Planung von Verbesserungen sowie die frühzeitige Entdeckung von Schwachstellen im System. Wenn zum Beispiel das spezifische Abfallaufkommen einer Druckerei gegenüber dem Vorjahr auffällig zunimmt, kann umgehend mit der Ursachenforschung begonnen werden. So erfüllen Umweltkennzahlen auch die Funktion eines Frühwarnsystems. Mit Hilfe von Kennzahlen kann auch die Wirksamkeit von Maßnahmen in den verschiedenen Produktionsstandorten verglichen werden.

Mit dieser Formel werden bei Axel Springer die spezifischen Umweltkennzahlen für die Druckstandorte berechnet:

Stoff- bzw. Energieflüsse geteilt durch die
------------------------------------------------------------  = Ressourcen-Effizienz
bedruckte Papierfläche

 

Kennzahlen der Stoff- und Energieflüsse für Druckereien: Die Effizienzkennzahlen der Stoff- und Energieflüsse drücken aus, wie viel Papier, Druckfarbe und Wasser je Million Quadratmeter bedruckter Fläche im Berichtszeitraum an jedem Druckstandort eingesetzt wurden. Auch für Abfall und Luftemissionen werden diese Kennzahlen gebildet. Für die Stoff- und Energiebilanz nutzt die Axel Springer SE die bereits vorhandenen Materialdaten aus SAP.


Druckpapiereffizienz

Die Entwicklung des Papierbedarfs wird stark vom Wandel der Lesegewohnheiten, von der Nutzung digitaler Alternativen zur Nutzung journalistischer angebote, von der demographischen Entwicklung sowie von der wirtschaftlichen Konjunktur beeinflusst. Der Papierdurchsatz der eigenen Zeitungsdruckereien (inklusive des von Druckkunden gestellten Papiers) sank im Vergleich der Jahre 2013 und 2015 von 159.297 auf 124.172 Tonnen. Das entspricht einem Rückgang von 22 Prozent.

Spezifische Kennzahl

Für eine Million Quadratmeter verkaufsfähiger Zeitungen wurden im Jahr 2015 im Durchschnitt der eigenen Druckstandorte in Deutschland 25,2 Tonnen Druckpapier (2013 = 22,6 Tonnen) eingesetzt.

Mit dieser Zahl soll die Effizienz (bedruckte Fläche je Tonne Papier) bei der Nutzung des Papierrohstoffs ausgedrückt werden. Die dazu gebildete Kennzahl drückt aus, wie viele Millionen Quadratmeter bedruckter Zeitungsseiten je Tonne Papier hergestellt worden sind.

So wurden im Jahr 2013 zur Herstellung von einer Million Quadratmeter bedruckter Zeitungsseiten 22,6 Tonnen Papier benötigt – im Jahr 2015 erhöhte sich diese Zahl auf 25,2 Tonnen. Insofern hat sich die Druckpapiereffizienz verschlechtert. 

Diese Entwicklung hängt in erster Linie mit dem deutlich geringeren Papierdurchsatz zusammen, zumal die anfallende Makulatur nicht in gleicher Proportion abnimmt. Unter Makulatur werden im Druckwesen schadhafte oder fehlerhafte Exemplare bezeichnet, die nicht in den Verkauf gelangen dürfen. Dazu gehören auch die Rollenverpackung und die Hülsen, auf denen das Papier aufgewickelt ist sowie bedruckte und unbedruckte Papierreste. Makulatur ist ein begehrter Recyclingrohstoff für die Herstellung neuer Papierprodukte.

Kennzahlen im Bereich der Druckpapiereffizienz (Tonnen Papier je Million Quadratmeter bedruckter Zeitungsseiten) können zudem durch Schwankungen der Flächengewichte eingesetzter Druckpapiere an Aussagekraft und Vergleichbarkeit verlieren.

Grundsätzlich wird die Verbesserung der Papiereffizienz durch eine Reihe technischer Innovationen unterstützt. Zu den Maßnahmen zählen u.a. die Verringerung der Papierreisser durch Verbesserung der Papierkleber (wichtig beim Rollenwechsel) sowie die Objektivierung bzw. Automatisierung der Entscheidung über die Verkaufsfähigkeit von Andruckexemplaren.

Zur ökologischen und ökonomischen Optimierung der Druckprozesse wird kontinuierlich an der Senkung der Makulatur-Mengen gearbeitet. Dazu wird in den Druckereien zum Beispiel in neue Farbregelsysteme investiert. Dadurch konnte die Zahl nicht verkaufsfähiger Zeitungsexemplare im Vergleich der Jahre 2013 und 2015 um 25,5 Prozent reduziert werden. Die Wirkung der ergriffenen Maßnahmen führte im gleichen Zeitraum – trotz rückläufiger Druckauflagen und -umfänge – zu einer konstanten spezifischen Kennzahl (Makulatur je Million Quadratmeter bedruckter Papierfläche). 


Druckfarben

Der Farbenverbrauch der eigenen Zeitungsdruckereien in Deutschland ist im Vergleich der Jahre 2013 und 2015 um rund 17 Prozent von 2.932 auf 1.587 Tonnen gesunken. Grund dafür ist der allgemeine Rückgang der Zeitungsauflagen und -umfänge.


Schmutzwasser

Das über die Kanalisation abgeführte Schmutzwasservolumen der Druckstandorte in Deutschland ging von 2013 auf 2015 um 14,4 Prozent zurück. Dazu geführt haben u.a. der geringere Feuchtwasser-Bedarf der Druckmaschinen durch eine Verbesserung der Steuerung sowie der Rückgang der Mitarbeiterzahl am Druckstandort Ahrensburg. 

Spezifische Kennzahl

Das Schmutzwasservolumen je Million Quadratmeter bedruckter Papierfläche nahm um 22 Prozent zu. Ein wichtiger Grund dafür: Der mit der Maschinenanlauf-Phasen zusammenhängende Wasserbedarf verändert sich trotz sinkender Druckauflage kaum, was im Ergebnis zu einer ungünstigen Entwicklung der spezifischen Kennzahl führt.