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„sachor jetzt!“ - Das Holocaust-Snapchat-Projekt

 
„sachor jetzt!“ - Das Holocaust-Snapchat-Projekt Junge Journalisten aus Berlin wagen etwas komplett Neues: Speziell für 14- bis 16-Jährige berichten sie auf der Social-Media-Plattform Snapchat über den Holocaust. (Video: Axel Springer Akademie)

Lässt sich Snapchat auch bei der Vermittlung von ernsten Themen nutzen? Taugt das am schnellsten wachsende soziale Medium, das seinen Erfolg bei Teenagern vor allem Filtern und Spaß-Funktionen verdankt, für Qualitätsjournalismus? Mit dieser Frage beschäftigten sich 16 junge Reporter der Axel Springer Akademie und starteten im Dezember 2016, ein außergewöhnliches Experiment: Mit dem Format „sachor jetzt!“ brachten sie das Thema Holocaust auf Snapchat. „Sachor“ ist das hebräische Wort für „Erinnere dich“ – hier setzte das journalistische Projekt an, das sich speziell an 14- bis 16-Jährige richtete: Die jungen Reporter spürten Zeitzeugen auf, sprachen mit Überlebenden, stellten zentrale Orte der Shoah vor – verdichtet in Snapchat-Geschichten, für die sie ein neues, zielgruppengerechtes Storytelling entwickelt haben, und aufbereitet nach journalistischen Qualitätskriterien.

„Die jungen Leute der inzwischen vierten Generation seit dem Holocaust werden die ersten sein, die bald keine Zeitzeugen mehr erleben“, sagt Marc Thomas Spahl, Direktor der Axel Springer Akademie. „sachor jetzt!“ soll die Botschaft der Überlebenden an diejenigen weitergeben, die in wenigen Jahren in Deutschland Verantwortung übernehmen und für die Snapchat die wichtigste soziale Plattform und Informationsquelle geworden ist. „Mit diesem Projekt wollen wir zeigen, dass man Jugendliche mit Qualitätsjournalismus und auch ernstem Inhalt erreichen kann, wenn er für ihre Kanäle richtig aufbereitet ist.“ 

Sieben Tage lang erzählten die jungen Reporter täglich bis zu drei Geschichten auf Snapchat, die sich alle mit dem Thema Holocaust beschäftigten. Dazu recherchierten und berichteten die jungen Reporter der Akademie unter anderem aus Auschwitz, Minsk, Jerusalem, Prag, Berlin, Dachau, Leipzig und Sachsenhausen. Sie ließen sowohl Holocaust-Überlebende zu Wort kommen, als auch deren Nachkommen. Und sie fragten junge Juden, wie sie mit dem Thema umgehen. Dabei reflektierten sie auch ihr Konzept im Austausch mit den Usern: Kann man das Unfassbare in Zehn-Sekunden-Snaps erzählen?

Begleitet wurde das Experiment von zahlreichen Aktivitäten, Umfragen und weiterführenden Informationen via Facebook live, auf Instagram, Youtube, Twitter und unter www.sachor.jetzt . Die App „Sachor“ (erhältlich für iOS und Android) wird die Snapchat-Storys in einer internationalen Version mit englischen Untertiteln dauerhaft abrufbar halten.