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Journalistischer Mut

 
Ein halbes Jahr nach dem Anschlag auf „Charlie Hebdo“ am 7. Januar 2015 veröffentlichte die Axel Springer Akademie jerestecharlie.eu – eine Video-Website mit Informationen über religiös begründeten Terror und seine Auswirkungen auf die Gesellschaft. Im Mittelpunkt steht ein bewegender Dokumentarfilm in dem Redaktionsmitglieder von „Charlie Hebdo“, Angehörige der Getöteten und andere Betroffene erzählen, wie sie nach dem Attentat weiterleben und wie der Terroranschlag sie selbst und die französische Gesellschaft verändert hat. (Quelle: Axel Springer Akademie)

Der Anschlag auf die Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo

Dazu sagte Mathias Döpfner beim Neujahrsempfang 2015 (Auszug):

„Der Anschlag in Paris, die fast vollständige Auslöschung der Redaktion der Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo, die Ermordung von 17 Menschen hat einen ganzen Berufstand, ein zentrales Element unserer westlichen Demokratien attackiert und eingeschüchtert: die Medien, die freie Presse, kurz: die Meinungsfreiheit. Und die entscheidende Frage ist: haben die Terroristen damit Erfolg, hat dieser Anschlag langfristig eine verhaltensverändernde Wirkung auf Journalisten oder hat er sie nicht?

Wenn er diese Wirkung hat, wird der 7. Januar 2015 als der Tag in die Geschichte eingehen, an dem der islamistische Terror der westlichen Welt den Schneid abgekauft hat. Als Anfang vom Ende wirklicher Meinungsfreiheit. Als der Beginn eines neuen Appeasement und intellektueller Kapitulation von Demokratie, Rechtsstaat und Menschenrechten. Wenn der Anschlag diese einschüchternde Wirkung nicht hat, kann er – genau umgekehrt – als ein Tag in die Geschichte eingehen, der unsere Werte gestärkt hat. Beides ist möglich. Für beides gibt es Indizien.

Millionen von Menschen gehen in diesen Tagen rund um die Welt auf die Straße – als Zeichen der Solidarität mit den Opfern und als Geste für das Selbstbewusstsein freier Gesellschaften. Islamische Organisationen haben sich – klar wie nie zuvor – mit extrem deutlichen Worten von dem Attentat distanziert. Gleichzeitig aber gibt es weltweit die ersten Medienorganisationen, TV-Sender und Zeitungen, die beginnen Kompromisse zu machen, die Karikaturen in der Berichterstattung über den Anschlag nicht gezeigt haben oder insgesamt etwas mildere Töne anschlagen – aus Angst vor den Konsequenzen.

Die Angst geht um. Die Zeiten des medialen Gratismutes sind vorbei. Jetzt beginnt Mut wieder etwas zu kosten. Im schlimmsten Fall das Leben. Wir stehen an einer schicksalshaften Weggabelung.“