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Zwei Beispiele für journalistischen Mut

 
Am 25. Februar 2018 wurde der slowakische Journalist Ján Kuciak (27) und seine Verlobten Martina Kušnírová (27) nahe der slowakischen Hauptstadt Bratislava ermordet aufgefunden. Ján Kuciak war seit 2015 Redakteur des Newsportals aktuality.sk., welches zu Ringier Axel Springer Slovakia gehört. (Bild: AllForJan)
Am 25. Februar 2018 wurde der slowakische Journalist Ján Kuciak (27) und seine Verlobten Martina Kušnírová (27) nahe der slowakischen Hauptstadt Bratislava ermordet aufgefunden. Ján Kuciak war seit 2015 Redakteur des Newsportals aktuality.sk., welches zu Ringier Axel Springer Slovakia gehört. (Bild: AllForJan)

„Wir sind entsetzt und fassungslos über die Nachricht, dass Ján Kuciak und seine Lebensgefährtin offenbar Opfer eines grausamen Attentats geworden sind. Auch wenn die Hintergründe noch nicht vollständig aufgeklärt sind, liegt der Verdacht nahe, dass das Verbrechen im Zusammenhang mit einer laufenden Recherche unseres Kollegen steht. Ján Kuciak war seit 2015 Redakteur des Newsportals aktuality.sk., welches zu Ringier Axel Springer Slovakia gehört. Wir trauern mit den Familien, den Freunden, und den Kollegen wir werden alles tun, um die Ermittlungsbehörden dabei zu unterstützen, den oder die Täter zu stellen. Sollte das Attentat ein Versuch sein, einen unabhängigen Verlag wie Ringier Axel Springer Slovakia davon abzuhalten, Missstände aufzudecken, werden wir dies zum Anlass nehmen, unseren journalistischen Auftrag noch gewissenhafter und konsequenter auszuüben.“ (Mitteilung Ringier Axel Springer Slovakia, Ringier Axel Springer Media AG, Ringier AG und Axel Springer SE vom 26. Februar 2018).

Ján Kuciak hat seine Recherchen nicht mehr zu Ende führen können. Am 25. Februar 2018 wurde der Reporter des slowakischen Nachrichtenportals aktuality.sk mit seiner Verlobten Martina Kusnirova in ihrem Haus im Dorf Velka Maca erschossen. Kuciaks letzte Recherche drehte sich um mögliche Verbindungen der kalabrischen Mafia ‘Ndrangheta bis in die höchsten Sphären der slowakischen Politik. Kuciak hatte herausgefunden, dass eine enge Beraterin des slowakischen Ministerpräsidenten Robert Fico, Maria Troskova, und der Chef des nationalen slowakischen Sicherheitsrates, Viliam Jasan, Verbindungen zu einem dubiosen kalabrischen Geschäftsmann namens Antonino Vadala unterhielten. Zahlreiche Rücktritte, darunter der von Ministerpräsident Robert Fico, stürzten die Slowakei in eine Staatskrise. Der Italiener Vadala lebt seit Jahren in der Slowakei und ist dort an einer Vielzahl von obskuren Unternehmungen involviert, von landwirtschaftlichen Betrieben bis zu Biogasanlagen. Zahlreiche Indizien deuten darauf hin, dass Vadala in Verbindung mit der ‘Ndrangheta steht, immer wieder wurden in seine Unternehmen Gelder aus dunklen Quellen investiert.

In diversen Gerichtsverfahren musste sich Vadala in den vergangenen Jahren unter anderem wegen illegalen Waffenbesitzes oder des Verdachts auf betrügerische Spekulation und Mehrwertsteuerbetrug verantworten. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass seine Firmen an Agrar-Subventionsbetrug und Geldwäsche beteiligt waren. Den Beweis dafür konnte Ján Kuciak nicht mehr führen.

Lesen Sie hier den Stand seiner Recherchen anhand seines letzten, unfertigen Textes, der sich auf seinem Computer befand.

WELT-Korrespondent Deniz Yücel saß 368 Tage ohne Anklage in einem Gefängnis der Türkei und wurde am 16. Februar 2018 dank zahlreicher diplomatischer Bemühungen freigelassen. (Foto: Axel Springer SE)
WELT-Korrespondent Deniz Yücel saß 368 Tage ohne Anklage in einem Gefängnis der Türkei und wurde am  16. Februar 2018 dank zahlreicher diplomatischer Bemühungen freigelassen. (Foto: Axel Springer SE)

Am 14. Februar 2017 wurde Deniz Yücel in der Türkei festgenommen. Er saß bis zum 16. Februar 2018 in Untersuchungshaft. „Terrorpropaganda“ und „Aufwiegelung der Bevölkerung“ lauteten die absurden Vorwürfe im sogenannten „Fall Yücel“. Der WELT-Korrespondent teilt das Schicksal vieler Journalistenkollegen, denen das Erdogan-Regime aus Furcht vor kritischer und unabhängiger Berichterstattung die Freiheit raubt. Doch Deniz Yücels Texte, die er seinen Anwälten im Gefängnis diktierte, zeigen, dass sein Mut, seine Leidenschaft und sein Freiheitswille auch nach monatelanger Einzelhaft ungebrochen blieben. 

368 Tage saß der WELT-Korrespondent Deniz Yücel in der Türkei im Gefängnis – lange Zeit sogar in Einzelhaft. 368 Tage voll Verzweiflung, 368 Tage voll Hoffnung auf eine Freilassung.

Aus #FreeDeniz wird #FreeThemAll

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