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Erklärung zum Schutz des geistigen Eigentums

 
"Das Internet ist für den Journalismus eine große Chance. Aber nur, wenn der Schutz des geistigen Eigentums und damit die wirtschaftliche Basis auch in den digitalen Vertriebskanälen gesichert bleibt. Das ist derzeit nicht der Fall."
"Das Internet ist für den Journalismus eine große Chance. Aber nur, wenn der Schutz des geistigen Eigentums und damit die wirtschaftliche Basis auch in den digitalen Vertriebskanälen gesichert bleibt. Das ist derzeit nicht der Fall."

2009 hat der Europäische Verlegerrat (European Publishers Council, EPC), dem auch die Axel Springer SE angehört, der EU-Kommission die „Hamburger Erklärung zum Schutz des geistigen Eigentums“ überreicht. Die Erklärung wird vom Weltzeitungsverband, der World Association of Newspapers and News Publishers'  (WAN-IFRA) unterstützt und ist inzwischen international von einer großen Zahl von Verlegern und Verlagsmanagern unterzeichnet worden. 

Hamburger Erklärung zum Schutz des geistigen Eigentums

"Das Internet ist für den Journalismus eine große Chance. Aber nur, wenn die wirtschaftliche Basis auch in den digitalen Vertriebskanälen gesichert bleibt. Das ist derzeit nicht der Fall.

Zahlreiche Anbieter verwenden die Arbeit von Autoren, Verlagen und Sendern, ohne dafür zu bezahlen. Das bedroht auf die Dauer die Erstellung von Qualitäts-Inhalten und von unabhängigem Journalismus.

Wir treten deswegen entschieden dafür ein, den Schutz geistigen Eigentums im Internet weiter zu verbessern. Freier Zugang zu Webseiten bedeutet nicht zwingend kostenlosen Zugang. Wir widersprechen all jenen, die behaupten, dass Informationsfreiheit erst hergestellt sei, wenn alles kostenlos zu haben ist.

Der freie Zugang zu unseren Angeboten soll erhalten bleiben, zum Verschenken unseres Eigentums ohne vorherige Zustimmung möchten wir jedoch nicht gezwungen werden.

Wir begrüßen deshalb die wachsende Entschlossenheit von Bundesregierung, Landesregierungen und den im Bundestag vertretenen Parteien, die Rechte von Urhebern und Werkmittlern weiter an die Bedingungen des Internets anzupassen.

Im Internet darf es keine rechtsfreien Zonen geben. Gesetzgeber und Regierung auf nationaler wie internationaler Ebene sollten die geistige Wertschöpfung von Urhebern und Werkmittlern besser schützen. Ungenehmigte Nutzung fremden geistigen Eigentums muss verboten bleiben.

Am Ende muss auch im World Wide Web gelten: "Keine Demokratie gedeiht ohne unabhängigen Journalismus."

Zu den Erstunterzeichnern 2009 zählten Frederic Aurand (Groupe Hersant, Frankreich), Francisco Balsemão (Impresa, Portugal), Carlo de Benedetti (Editoriale L’Espresso, Italien), Carl-Johan Bonnier (Bonnier, Schweden), Oscar Bronner (Der Standard, Österreich), Bernd Buchholz (Gruner + Jahr, Deutschland), Hubert Burda (Burda Media, Deutschland), Mathias Döpfner (Axel Springer SE, Deutschland), Hanzade Dogan (Milliyet, Türkei), Stefan von Holtzbrinck (Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, Deutschland), Patrick Morley (Telegraaf Media Group, Niederlande), James Murdoch (News Corporation Europe and Asia), Horst Pirker (Styria, Österreich), Didier Quillot (Lagadére, Frankreich), Gavin O’Reilly (Independent News and Media, Irland),  Michael Ringier (Ringier, Schweiz), The Viscount Rothermere (Daily Mail and General Trust, Großbritannien), Ian Smith (Reed Elsevier, Großbritannien/Niederlande), Hannu Syrjanen (Sanoma, Finnland), Robert Thomson (Dow Jones and Wall Street Journal), Giorgio Valerio (RCS Quotidiani, Italien) und Christian Van Thillo (de Persgroep, Belgien).

Dr. Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE, sagte: „Ich freue mich über diesen internationalen Appell der Verlage. Er ist ein wichtiger Schritt im Interesse der globalen Internet-Gemeinde. Das Internet ist nicht der Feind, sondern die Zukunft des Journalismus, wenn auch in der digitalen Welt geistiges Eigentum respektiert wird. Es gibt vor allem zwei Ziele: Eine faire Beteiligung an den Umsätzen derjenigen, die unsere Inhalte vermarkten, und darüber hinaus die Entwicklung eines Marktes für bezahlte Inhalte in der digitalen Welt. Wir sind zuversichtlich, dass auch die Vertreter von Suchmaschinen und anderen Aggregatoren mit uns gemeinsam die Marktchancen von legalen bezahlten Inhalten im Internet erkennen, erschließen und gemeinsam nutzen wollen.“

WAN-IFRA-Präsident Gavin O’Reilly sagte: „Wir interessieren kontinuierlich ein immer größeres Publikum für unsere Inhalte. Aber im Gegensatz zu den Print- oder TV-Geschäftsmodellen machen wir aus unseren Inhalten kein Geld. Das ist ein unhaltbarer Zustand. Scheiternde Verlage nutzen niemandem, am allerletzten den Konsumenten, den Suchmaschinen und anderen Informationsaggregatoren, die derzeit riesige Profite auf Kosten unseres geistigen Eigentums machen.“

EPC-Präsident Francisco Pinto Balsemão fügte hinzu: „Ein grundlegender Schutz der demokratischen Gesellschaft ist eine freie, vielfältige und unabhängige Presse. Ohne Kontrolle unserer geistigen Eigentumsrechte ist die Zukunft des Journalismus in Gefahr. Zugleich wird damit die Möglichkeit gefährdet, Konsumenten mit qualitativ hochwertigen und vielfältigen Informationen sowie Bildung und Unterhaltung auf verschiedenen Kanälen zu versorgen. Mit dieser Erklärung rufen wir Regierungen weltweit auf, das Urheberrecht von Autoren, Verlegern und Sendern im Internet zu unterstützen.“

Den vollständigen Text der „Hamburger Erklärung“ aus dem Jahre 2009 finden Sie unter  www.hamburgdeclaration.org.