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Produktverantwortung durch Prüfung der Fakten

 


Eine Reportage von Teresa Pfützner und Jan Langshausen, Volontäre der Axel Springer Akademie

Samstagabend, 20.44 Uhr: In der BILD-Redaktion vibriert ein Smartphone - die Todes-Nachricht kommt per WhatsApp. Es habe einen Giftgasangriff in der syrischen Stadt Duma gegeben, steht darin. “Sechs Tote und 700 Verletzte”, heißt es weiter. Und: “Diese Informationen sind noch nicht gesichert“. Dann endet die Nachricht.  

Julian Röpcke, BILD-Reporter und Syrien-Experte, blickt kurz von seinem Smartphone auf. Die großen Fernsehbildschirme, die von der Decke der Redaktion hängen und sonst ausländische Nachrichtensendungen zeigen, sind schon schwarz, die meisten Schreibtische verlassen. Spätschicht im Politik-Ressort. Röpckes Blick wandert zurück auf sein Smartphone. Er wartet. Auf mehr Informationen, Bilder, Videos. Doch im WhatsApp-Chat bleibt es still. 700 Verletzte? Eine ungewöhnlich hohe Zahl, findet Röpcke. Könnte es sich um einen Irrtum handeln, ein Gerücht im Bürgerkriegsland? Oder versucht möglicherweise jemand, ihn wissentlich zu täuschen? Ihn mit Fake News irre zu leiten? Der Verfasser der kurzen WhatsApp-Nachricht, die über den angeblichen Giftgasangriff vom 7. April 2018 in Duma berichtet, ist ein syrischer Arzt. Geschickt hat er sie in eine WhatsApp-Gruppe, in der sich Journalisten und syrische Ärzte zusammengeschlossen haben, um Informationen über die Lage im Kriegsgebiet Ost-Ghuta auszutauschen. Eigentlich vertraut Röpcke dem Absender - doch Vertrauen reicht in diesem Fall nicht. Er braucht auf Beweise.

“Fake News” ist ein moderner Begriff, obwohl er ein altes Problem beschreibt. Falschmeldungen, ob gezielt verbreitet oder unabsichtlich in Umlauf gebracht, gab es schon immer. Es gehört seit jeher zum Job von Journalisten, manipulierte Bilder, gefälschte Videos, Gerüchte, fehlerhafte oder vollkommen erfundene Informationen auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Doch durch Social Media wie Twitter, Facebook und auch Nachrichtendienste wie WhatsApp können Falschmeldungen heute innerhalb weniger Sekunden Millionen Menschen weltweit erreichen - ohne vorher von Journalisten geprüft worden zu sein. Das wichtigste für Julian Röpcke, den BILD-Syrienreporter, sind deshalb zuverlässige Quellen. Besonders im Krieg: Hier verfolgt jeder Akteur seine eigene Agenda.

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