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Gespräche zur Ökologie der Holzproduktion

 
Südportugal: Der Eukalyptus-Experte der Umweltorganisation WWF, Luis Neves Silva (li.), erläutert ökologische Standards für schnell wachsende Holzplantagen im Gespräch mit Paula Guimaraes, Forstexpertin des Zellstoffherstellers Portucel, und Florian Nehm, dem Nachhaltigkeitsbeauftragten der Axel Springer SE.
Südportugal: Der Eukalyptus-Experte der Umweltorganisation WWF, Luis Neves Silva (li.), erläutert ökologische Standards für schnell wachsende Holzplantagen im Gespräch mit Paula Guimaraes, Forstexpertin des Zellstoffherstellers Portucel, und Florian Nehm, dem Nachhaltigkeitsbeauftragten der Axel Springer SE.

Für ihre gedruckten Zeitungen und Zeitschriften bezieht die Axel Springer SE jährlich Papierrollen von 12 Papierfabriken in 14 Ländern. Moderne Presseverlage zeichnen sich dadurch aus, dass sie über ökologische und soziale Standards der unterschiedlichen Stationen der Produktionskette – vom Wald über die Papierfabrik und Druckerei bis hin zum Kiosk und zu Papierrecycling – Bescheid wissen.

Druckpapiere für Zeitungen und Zeitschriften werden – mit Blick auf die notwendige Reisfestigkeit – aus den langen Holzfasern der Fichten und Kiefern hergestellt. Diese Nadelhölzer für unsere Druckpapiere wachsen im Grüngürtel der nördlichen Erdhalbkugel – gespeist von Wasser, Nährstoffen und Sonnenenergie.

Druckprodukte wie Zeitungen, Zeitschriften und Kataloge werden nach Gebrauch als Altpapier gesammelt und als Rohstoff, zum Beispiel  für neues Zeitungsdruckpapier eingesetzt. In Deutschland werden 84,7 Prozent der grafischen Papiere (dazu gehören Zeitungen und Zeitschriften) über das Altpapier als Papierrohstoff verwertet (AGRAPA Statistik 2015). So kommt der größte Teil der Holzfasern mehrfach zum Einsatz.

Aus einer Fichte werden mehr als 37.000 Zeitungsseiten

Eine Modellrechnung zeigt, dass aus den Fasern einer durchschnittlich großen Fichte aus schwedischer Durchforstung (Alter 30 bis 60 Jahre) insgesamt 37.440 Zeitungsseiten (Papiergewicht 42,5 Gramm  pro Quadratmeter, Format 40 x 57 Zentimeter) hergestellt werden können. 13.440 Seiten lassen sich allein aus den frischen Holzfasern herstellen. Weitere 24.000 Zeitungsseiten können durch ihr Recycling gewonnen werden.

Grenzüberschreitende Kooperationen

Dazu hat das Unternehmen in den vergangenen 20 Jahren gemeinsam mit Papierlieferanten zahlreiche Optimierungsprojekte initiiert. Beispiele sind die erste Öko-Bilanz für Zeitungen und Zeitschriften, das „Opti“-Projekt in Kooperation mit 8.900 norwegischen Waldbesitzerfamilien und dem Papierhersteller Norske Skog sowie das Projekt „Tracing Russian Wood“ in Zusammenarbeit mit dem Papierunternehmen UPM und Greenpeace Russland.

„From Russia with Transparency“ (2005)

Im September 2005 präsentierte Axel Springer gemeinsam mit dem Papierhersteller Stora Enso (Helsinki) und den Verlagshäusern Random House Group (London) und Time Inc. (New York) das Projekt „From Russia with Transparency“. Ein Schwerpunkt lag auf der Bekämpfung von Korruption im grenzüberschreitenden Holzhandel. Die Rolle des „Critical Reviewer“ übernahm Transparency International, die führende Nichtregierungsorganisation zur Bekämpfung von Korruption.

Dazu sagte Cobus de Swardt von Transparency International: „Viele Forstunternehmen wollen Nachhaltigkeit erreichen, scheuen jedoch das Gespräch über heikle Fragen, wie die der Korruptionsbekämpfung. Die Mitglieder des Tikhvin-Projektes sehen, dass Nachhaltigkeit und ethische Geschäftspraktiken viel miteinander zu tun haben. Wir begrüßen dieses Vorreiterengagement und hoffen, dass das Projekt-Team unseren Empfehlungen folgen wird.

Dokumentiert wurede eine Initiative des Papierherstellers Stora Enso mit den Verlagshäusern Time Inc. (New York), Random House Group (London) und Axel Springer (Berlin) und der Nichtregierungsorganisation „Transparency International“. Schwerpunkte sind die Förderung nachhaltiger Forstwirtschaft, die Bekämpfung von Korruption im grenzüberschreitenden Holzhandel zur Herstellung von Druckpapier sowie die Verhütung von Arbeitsunfällen.

„Tracing Russian Wood Imports“ (2002)

In einem Gemeinschaftsprojekt hat Axel Springer mit dem finnischen Papierhersteller UPM-Kymmene und der Otto Gruppe die Liefer- und Verarbeitungskette von Holz aus einem Wald in Russland bis zur Papierfabrik in Finnland transparent gemacht. Der Projektbericht „Tracing Russian Wood Imports“ zeigt, wie Holzimporte aus Russland ökologisch geprüft werden. Hier kommen auch kritische Stimmen der russischen Forstverwaltung sowie der Umweltorganisation Greenpeace-Russland kommen zu Wort.

„Ökologische Verbesserungen in der Papierkette“ (1998)

Das Projekt beschreibt Hintergründe, Ziele und Umsetzung einer Kooperation der Otto Gruppe und Axel Springer mit 8.900 norwegischen Waldbesitzerfamilien und dem Papierhersteller Norske Skog auf.

Waldnutzungsstandards

Seit 1995 wird beim Einkauf von Druckpapier auf sechs leicht verständliche Nachhaltigkeitsindikatoren geachtet

Die Papierlieferanten der Axel Springer SE werden außer nach den Kriterien Produktqualität, zuverlässige Versorgung und marktgerechte Preisen auch nach ökologischen Gesichtspunkten ausgewählt. Dazu wurden schon 1995 sechs Waldnutzungsstandards vereinbart.

  1. Nachhaltigkeit
    Es darf nicht mehr Holz geerntet werden als nachwächst.
  2. Artenvielfalt
    Die Waldnutzung darf Tier- und Pflanzenarten nicht gefährden.
  3. Kontrolle
    Der Papierhersteller soll als Holzeinkäufer Öko-Kontrollen durchführen.
  4. Schulung
    Der Papierhersteller soll für die notwendigen ökologischen Kenntnisse (z.B. bei Waldarbeitern) sorgen.
  5. Ureinwohner
    Der Papierhersteller nimmt auf Ureinwohner (z.B. die Sami in Nordskandinavien) Rücksicht.
  6. Offene Information
    Der Papierhersteller unterrichtet die Öffentlichkeit über ökologische Fortschritte und Probleme.

Ökologische Gütesiegel

Über die Zeit haben sich zwei Gütesiegel für Holzprodukte etabliert, deren Standards sich deutlich angenähert haben. Die Axel Springer SE unterstützt die Forstzertifizierung sowie Gespräche zur Entwicklung einer gegenseitigen Anerkennung von FSC und PEFC.

Gütesiegel für Holzprodukte

FSC

Das internationale Öko-Siegel für Forstprodukte FSC (Forest Stewardship Council) wurde 1993 in Toronto von führenden Umweltorganisationen gegründet. Es wird hauptsächlich von Umweltorganisationen, aber auch von Waldbesitzern und Holzverarbeitern verwendet.

Info: www.fsc-deutschland.de

PEFC

Das europäische Öko-Siegel für Forstprodukte wurde 1999 in Paris von den europäischen Waldbesitzerverbänden unter dem Namen „Pan European Forest Certification” gegründet. Es wird überwiegend von den europäischen Waldbesitzerverbänden verwendet.

Info: www.pefc.de